11.September 1944 Operation "Frantic"

Von: Hans-Joachim Adler und Dietmar Mühlhans 

 

Hören wir heute das Datum 11.September, fallen uns sogleich die schrecklichen Geschehnisse aus den Vereinigten Staaten ein. An diesem Tage zerstörten ganz normale Linienmaschinen die beiden Türme des World-Trade-Centers. Viele Menschen erlebten dieses hautnah an den Bildschirmen der häuslichen Fernsehgeräte mit. Was bisher als unmöglich galt, hatte in einer Dimension zugeschlagen, die viele Menschen erschaudern ließ.
Doch einige Jahrzehnte früher spielte dieser Tag im Kalender schon einmal eine Rolle für die Menschen im Deutschland sowie in Amerika und England.
Am 11.September 1944 überschritten alliierte Truppen in dem seit 6 Jahren tobenden Weltkrieg zum erstenmal die deutsche Reichsgrenze. Der Bodenkrieg war zurückgekehrt.

 

US Soldaten an der Westfront im Herbst 1944
US Soldaten an der Westfront im Herbst 1944

 

Für die Menschen im Kreis Frankenberg sollte sich dieser Tag auch in das Gedächtnis einprägen, aber nur wenige noch lebende Zeitzeugen wissen heute noch über die Geschehnisse zu berichten. Damalige Schüler aus Frankenau schilderten dem Verfasser gegenüber die damaligen Ereignisse.

Schon den ganzen Morgen dröhnten die Motoren der einfliegenden Bomber und Begleitjäger am Himmel. Die Jugendlichen hörten am Klang der Motoren heraus, ob die Bomber noch beladen waren oder ob die Bombenlast fehlte. Leere Maschinen klangen viel heller als beladene, dies hing mit der Propellerverstellung zusammen. Bei voller Ladung standen die Blätter sehr steil zur Flugrichtung, dies erzeugte einen dumpfen Ton.

 

Lagebesprechung
Alliierte Bomberpiloten beim Uhrenvergleich

 

Um 9 Uhr morgens war schon Luftalarm gegeben worden, den Tagesablauf der Bevölkerung störte das hier auf dem Land jedoch wenig. Aus Norddeutschland hatte man gehört, daß alliierte Jagdmaschinen Bauern auf dem Feld beschossen hatten, hier im Kreis war man sich zu diesem Zeitpunkt noch sehr sicher.

Die 8.Luftflotte mit ihren drei Divsionen in Südengland machte an diesem Morgen alles mobil, was fliegen konnte. Zeitlich versetzt starteten 1016 viermotorige Bomber, mit 411 Mustangjägern alsBegleitschutz. Diese P-51 Mustangs, auch als "Cadillac des Himmels" bezeichnet, waren in der Lage, den Bombern mit Zusatztanks überall hin zufolgen. Über 8 Stunden konnten sie in der Luft bleiben. Nicht selten kam es vor, dass der Pilot nach der Landung nicht mehr selbst aussteigen konnte.

40 Bomber und 17 Jäger sollten an diesem Tag England nicht mehr wiedersehen.

 

Fomationsflug
P-51 Mustang im Formationsflug

 

Auf den Feldern desFrankenberger Landes waren die Bauern mit der Ernte beschäftigt, was die Anzahl der Augenzeugen sehr hoch ansteigen ließ, die diese Luftkämpfe miterlebt haben.

Im mitteldeutschen Raum war nach der Landung der Alliierten in der Normandie nur noch ein Jagdgeschwader zurückgeblieben.

Das JG 300 war mit Messerschmidt 109 und Focke Wulf 190 ausgerüstet. Wenn die schwergepanzerten Hundertneunziger die viermotorigen Bomber von vorne anflogen, gaben die Messerschmitts von oben Deckung gegen die Mustang Jäger. Mit 660 km/h waren sie trotzdem knapp 50 km/h langsamer als die P-51, deren Höchstgeschwindigkeit bei 707 km/h lag. Nur mit einer kurzzeitigen Methanoleinspritzung war eine Leistungssteigerung zu erreichen, diese konnte mit den Daimler-Benz-Motoren nur für wenige Minuten geflogen werden, sonst überhitzten sie und es kam zum Motorbrand.

Eines der vielen Tagesziele der Amerikaner war Fulda. An diesen Verband hatte sich die erste Gruppe des Jagdgeschwaders 300 angehängt. Dieses Geschwader hatte den Zusatznamen "Wilde Sau", diesem Namen machten die Flieger alle Ehre, da sie mit sehr großem Elan an die feindlichen Bomber herangingen.

 

Me-109G bei Startvorbereitung
Eine Me-109G wird auf das Rollfeld geschoben.

 

Ihre besondere Angriffstaktik, die Fächerformation von vorn, war bei den Bomberbesatzungen der Amerikaner weithin gefürchtet, gab es doch kaum einen wirksamen Schutz gegen diese Form des Angriffs. Nur etwa 2 Sekunden blieben den deutschen Angreifern zum Schießen, dann waren sie an der Bomberformation (Combat Wing) vorbei. Meist reichten 2 Schuß aus der Maschinenkanone MK108 30mm aus,um einen Bomber zu zerstören.

 

 

Mk-108
Eine Mk-108 wie sie in dt. Jägern eingebaut war.

 

Die Zeit war vorgerückt, der Mittag nahte, die Kirchturmuhr zeigte 11 Uhr. Für die Schulkinder lief lief der Unterricht in der damals neuen Schule zu Frankenau.
Auf einmal war Bordwaffenfeuer zu hören. Das war einmal etwas anderes als sonst den im Sonnenlicht glänzenden Bombern nachzuschauen, die in Höhen bis zu 10.000m flogen. Alle stürzten ins Freie, um die Geschehnisse miterleben zu können.
Über dem Ederbergland war der Höhenschutz desGeschwaders an die Begleitjäger geraten. Diese hatten ihre Zusatztanksabgeworfen, um mit den deutschen Jägern besser kurven zu können. 

Am Eselspfad, zwischen Lengemühle und Frankenau war zu diesem Zeitpunkt ein damals 13 Jähriger mit einem Kuhgespann unterwegs. Plötzlich war ein Pfeifen in der Luft zu vernehmen, dem ein ohrenbetäubender Einschlag folgte. Ein Jagdflugzeug hatte sich nur wenige hundert Meter entfernt in den Steilhang gebohrt. Die Umgebung brannte, Munition explodierte. Dem jungen Mann war zwar körperlich nichts passiert, allerdings blieb er für eine Woche stumm, so tief saß der Schock.

 

Horst Völkert

, der als Unteroffizier die Maschine geflogen hatte, war südlich von Frankenau ausgestiegen. Eine Fichte in der Nähe der "Jägersruh", beendete seinen Absprung mit dem Fallschim. Hier hing er nun am Fallschirm, leicht am Knöchel verletzt, auf Hilfe wartend.

 

Horst Völkert
Unteroffizier Horst Völkert, zweiter von links.

 

Peter Schengel, ein Frankenauer Bürger, der wegen einer Gehbehinderung nicht zur Wehrmacht eingezogen worden war, erreichte als erster den deutschen Flieger. Auch für ihn war die Sache etwas Neues, deshalb rief er Völkert zu:

 

"Bist Du ´n Ditscher orn Englänner?"

 

Als ihm der Unteroffizier in der Landessprache antwortete, waren schon mal die Sprachbarrieren beseitigt. Anschließend half er ihm zu Boden, dann holte man den Fallschirm aus der Fichte, der sehr wertvoll war, da er aus Seide bestand. Ein Fuhrwerk brachte dann alle in den Ort.

Vom Bürgermeisteramt meldete sich Völkert bei seiner Dienststelle in Stendal im Harz, von wo er auch gestartet war. Nun musste noch die Absturzstelle inspiziert werden, es konnte ja wichtiges Gerät heil geblieben sein, was es zu bergen galt. Es gab Order, den Chronometer, die Borduhr zu bergen. Aber wie sah es an der Absturzstelle aus?
Alles war durch den steinigen Boden zerstört worden, ein Brand hatte sein übriges dazu getan, der Motor steckte tief im Boden, er sollte erst 5 Jahrespäter geborgen werden.
Der Landsturm sperrte die Absturzstelle mit einer Kordel ab. Zu einer großen Bergung ist es während des Krieges nicht mehr gekommen.

 

Absturzstelle Horst Völkert
Hier schlug die Maschine von Horst Völkert auf.

 

Die Knöchelverletzung machte es notwendig, daß Völkert in ein Lazarett kam. Haina (Kloster) lag da am nächsten. Wieder wurde die Fahrt mit einem Fuhrwerk bewältigt. Die Bomberverbände mit ihrer todbringenden Last flogen weiter nach Osten. Über Fulda, einem Ziel, wurde abgeladen. Danach splittete sich ein Verband von 120 Bombern ab, der weiterflog, mit dem Ziel Rußland. Die Landeplätze Poltawa und Mirgorod. Das war der letzte Flug im Unternehmen "Frantic", mit dem siebten Pendeleinsatz mußten die Amerikaner die beiden Plätze in Rußland räumen, da den Sowjets die dort stationierten Amerikaner ein Dorn im Auge waren. Schon von Anbeginn hatte es Probleme gegeben. Fehlender Jagdschutz von russischer Seite war schuld an einem Angriff durch deutsche Kampfbomber, die einen großen Teil der Bomber vernichteten. Das Shuttlebombing aber ging weiter. Mit Einheiten der 15.Luftflotte, die in Süditalien stationiert war, konnte nun jeder Punkt in Deutschland erreicht werden. 

Die meisten Verluste hatten die Amerikaner an diesem 11.September über dem nördlichen Erzgebirge. Diesen Bereich deckte das Jagdgeschwader 4 ab. Ihnen gelang es, gerade der 100 Bombergroup H "The Bloody Hundreth" große Verluste zuzufügen. Mit dem Ende des Septembers setzte auch im Kreisgebiet (Frankenberg) der Krieg gegen die Zivilbevölkerung ein. Niemand war mehr sicher, der Krieg war noch ein Stück näher aufgerückt.

Lange nach dem Krieg, es muss Anfang der 70er Jahre gewesen sein, erkundigte sich Horst Völkert noch einmal nach der Absturzstelle seines Flugzeugs. Als Feldwebel hatte er den Krieg beendet.

 

Wie schon kurz erwähnt, wurde zu Beginn der 50er Jahre der Motor geborgen, in einer Zeit, in der durch den Koreakrieg bedingt, für Rohstoffe horrende Schrottpreise gezahlt wurden. Bis zu 2.000.- DM brachte ein solches Relikt zu diesem Zeitpunkt. Mit dem Ende der Koreakrise endete diese Schrottherrlichkeit. Überreste aus dem Luftkrieg waren nichts mehr wert. 1991 wurde die Einschlagstelle von der Arbeitsgemeinschaft Luftkrieg Ederbergland wiederentdeckt. Von dem Motor DB 605 AS war nicht mehr viel zu finden, aber die wenigen Fundstücke reichten aus, um eine Identifizierung zu ermöglichen. Besonders die Typenschilder sind immer wieder von großer Wichtigkeit, wenn es um die Kenntlichmachung von Absturzmaschinen geht.

 

Messerschmitt Me-109G6  

 

 Das Modell Zeigt eine Messerschmitt Me-109G6 im Maßstab 1/72, wie sie während des Zweiten Weltkrieges in Europa eingesetzt war. Eine von vielen Maschinen, welche während des Zweiten Weltkriegs ihre Jagdeinsätze über Europa flogen.

 

Me-109G6
Messerschmitt Me-109G6 im Maßstab 1/72

 

Me-109G6
Messerschmitt Me-109G6 im Maßstab 1/72

 

Das Modell entstand aus einem Bausatz der Firma Academy und wurde ohne weiteres Zubehör "out of Box" gebaut.  

 

 

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