Die Flakfalle von Wega

Von: Hans-Joachim Adler und Dietmar Mühlhans   

 

Blick in den "Air Crew Missing-Report": Einheit der Luftwaffe postiert 1945 eine 20 Millimeter-Vierlingsflak im Eisenbahntunnel von Wega 

  

Bad Wildungen:
In Wega befand sich bis vor einigen Jahren das einzige Gleisdreieck in Nordhessen. Noch heute kann man den teilweise von Gleisen abgebauten Bahnkörper erkennen. Die Eisenbahnbrücke hinter dem Bahnübergang hat man 2004 abgerissen, um LKWs eine bessere Durchfahrt zu ermöglichen.
Wie aber sah es in den letzten Kriegstagen im Bereich des Bahnhofs und Dreiecks aus?

 

Bahntunnel Bad Wildungen-Wega
Eisenbahntunnel am ehemaligen Gleisdreieck bei Wega. Von hier aus beschoß die Flak die amerikanischen Mustangs


Zwischen dem östlichen Teil des Bahnareals und Wega hatte 1943 die Firma Fieseler Flugzeugbau ihr Ergänzungslager eingerichtet, von hier aus wurden die ausgelagerten Werke Schreufa, Eschwege, Battenhausen und Kassel mit Flugzeugteilen versorgt.
Noch in den letzten Märztagen wurde ein Zug mit 60 Waggons beladen, der Material zurück nach Kassel ins Werk II brachte, das bis dahin nur von wenigen Bomben getroffen worden war. Auf einer Flächen von 30.000 m2  sollte hier von neuem produziert werden, bevor im März 1944 die Fertigung der Focke - Wulf 190, die man in Lizenz baute, ausgelagert wurde. In den umliegenden Waldgebieten von Wega wurde bis zum Einmarsch der Amerikaner weiter an Flugzeugen gebaut, kleinere Lager gab es auch in Scheunen und Baracken. Auch Ersatzteillager vom Fliegerhorst Fritzlar waren in den Ortschaften des Edertals um Wega untergebracht. Heute noch sind viele Gerätschaften davon, wie zum Beispiel Hebegeräte und ähnliches, in Gebrauch.  Oberleutnant Ernest J. Boehner  von der 78. Fightergroup flog am 2. März 1945 mit seiner P- 51 Mustang Begleitschutz für Bomber auf der Route Stuttgart - Ulm - Kassel. Eine Gruppe der Jäger wurde dem Bomberverband vorausgeschickt, um aufsteigende deutsche Jäger zu bekämpfen. Waren keine feindlichen Jagdflugzeuge in der Luft, hatten die Mustang-Piloten den Befehl, lohnende Ziele am Boden anzugreifen. Im Bahnhofsbereich von Wega waren zur Ablenkung vier beschädigte Dampfloks abgestellt worden. Diese wurden immer wieder Ziel anfliegender Jagdbomber, die ihre Munition darauf verschossen, so auch am 2. März 1945.  Zum Schutz des Fieselerlagers stand im Bahnhofsbereich meist ein Flakgeschütz. In den Märztagen hatte man dieses Geschütz auf einen Rungenwagen gesetzt, der zeitweise mit einer Lok bewegt wurde. Über Mandern anfliegend schossen Boehner und sein Rottenflieger Richard Bewitt mit ihren Waffen auf die abgestellten Dampfloks. Die Bedienung des Geschützes hatte sich an der Einfahrt des nördlich gelegenen Tunnels postiert, von wo aus sie die anfliegenden Maschinen bekämpften. Von ihnen erhielt Boehners Mustang einige Treffer und eine Rauchfahne begleitete den Flug der Maschine. Über Funk erklärte er Bewitt, dass er aussteigen müsse, was aber wegen der geringen Höhe nicht mehr möglich war.
Bis zum Aufschlag westlich von Mandern vergingen nur wenige Sekunden. Bewitt umkreiste kurz die Absturzstelle, konnte aber von Boehner nichts mehr ausmachen. All dies geschah gegen 14:45 Uhr. Auf seinen Einsatzhorst in Compiegne/Margny zurückgekehrt, legte Brewitt alles schriftlich nieder. Seine Notizen wurden später für den "Missing Air Crew Report" verwendet. Ein polnischer Fremdarbeiter war als erster an der Unglücksstelle. Boehner hatte es brennend aus der Kabine geschleudert. Er lag im Wiesengrund neben der Absturzstelle. Sofort zog der Pole den Schwerstverletzten in den nahegelegenen Bach, in dem er ihn löschte. Hier konnte aber kurze Zeit später nur noch der Tod des Piloten festgestellt werden.
Er wurde zunächst auf dem Friedhof von Mandern beerdigt. Hier wurde er allerdings schon 1946 exhumiert und nach Holland überführt. Die Reste der Maschine hat die deutsche Wehrmacht schon wenige Tage später abtransportiert.


Air Crew Missing Report
Das Anzeigeblatt des Geschwindigkeitsmessers und der "Air Crew Missing-Report" aus Amerika gaben der AG Luftkrieg Aufschluß über die Geschichte des Absturzes.


Bei der Begehung des Areals mit Zeitzeugen brachten Mitglieder der AG Luftkrieg Ederbergland einige Kleinteile, sowie ein Propellerblatt der Mustang an dasTageslicht. Auf dem Waldboden liegend hatten die Relikte die Jahre überdauert, ohne dass sie irgendjemand wahrgenommen hatte.



2cm Flak-Vierling 38 im Modell


Das hier gezeigte kleine Winter-Diorama zeigt einen Flakvierling 38, mit seiner Bedienungsmannschaft, in einer Erdstellung und entstand im Maßstab 1/35.

Bei dem Modell und den Figuren handelt es sich um einen Bausatz der Firma Tamiya aus Japan.

Die Erdstellung entstand aus kleinen Rundholzstäben. Die Munitionskisten wurden aus Plastikprofilen aufgebaut und mit selbst erstellten Silkonformen in Resin gegoßen.

 

2cm Flakvierling 38


2cm Flakvierling 38


2cm Flakvierling 38


 

 

910825