Absturz eines britischen Halifax-Bombers am Hessenstein 1944

24./25. März 1944: Das Ende eines "Pfadfinder-Flugzeugs" auf dem Weg nach Berlin

 Von: Hans-Joachim Adler und Dietmar Mühlhans 

 

In der Nacht vom 24.auf den 25. März 1944 stürzte ein britischer Halifax-Bomber im Breitenbach zwischen der heutigen B 252 und Louisendorf, unweit von Burg Hessenstein, in den Wald. Der Hergang blieb lange im dunkeln. In jüngster Zeit konnten dieLuftkriegsereignisse im Frankenberger Raum systematisch erforscht und die Hintergründe geklärt werden.
Die englische Halifax war im Anflug auf Berlin, als sie zwischen Frankenau und Ellershausen von Nachtjägern aus Kassel-Rothwesten angegriffen und getroffen wurde.

 

 

Handley Page Halifax
Eine Handley-Page Halifax mit Bristol-Herkules Sternmotoren wie sie die Maschine hatte welche am Hessenstein abstürtzte. Einige Daten zur Handley-Page-Halifax: Bis zum Masseneinsatz der Lancaster-Bomber stellte der viermotorige Bomber den Kern des britischen Bomberkommandos. Im November 1940 wurden die ersten Maschinen an die RAF ausgeliefert. Insgesamt wurde die Halifax bis zum November 1946 in neun Versionen mit insgesamt 6176 Stück ausgeliefert.

 

Erste Teile aus dem Geschützstand des Bombers fielen auf das Alte Feld bei Geismar. Brennend zog das Flugzeug über Geismar in Richtung Schreufa. Danach flog es bis Kirchlotheim und wendete wieder nach Westen. über Schmittlotheim verlor der Bomber ein Rad, das im Ort herunterkam. Bei Ederbringhausen an der Kälberhute soll die Bombenladung abgeworfen worden sein. Die Krater sind heute noch zuerkennen. Über den Hessenstein kam die Maschine gerade noch so hinüber, am Breitenbach brach der Bomber in der Luft auseinander. Die Tragflächen flogen in verschiedene Richtungen und lagen etwa 600 Meter voneinander entfernt brennend auf dem Altenberg. Der Rumpf rutschte fast bis in den Breitenbach.

 

 

Steilhang am Hessenstein
Blick vom Steilhang des Hessensteins auf den Breitenbach. An diesem Hang lag die Halifax nach dem Absturtz. Über eine Strecke von rund 700m konnten Mitglieder der AG Luftkrieg-Ederbergland noch Trümmerteile der Maschine auffinden.

 

Zwei Besatzungsmitglieder konnten sich nach dem Absturz bis zum Bach schleppen, wo sie verstarben. Die Besatzung wurde zunächst in Louisendorf bestattet und später von einem Gräberkommando der RAF exhumiert und nach Hannover überführt.
Der Abschuß erfolgte durch Oberleutnant Schmucker in einer JU 88. Schmucker verschoß in der Nacht zum ersten Mal eine neuartige Munition, und zwar 20-mm-Minengeschosse mit vorgespanntem Zünder. Der Oberleutnant wollte sich tags darauf von seinem Angriff überzeugen und fuhr zum Hessenstein. Rudolf Schulte, der als Flakhelfer in Rothwesten eingesetzt war, hatte Wochenendurlaub und fragte, ob er mitfahren könne. Der Oberleutnant war froh über einen ortskundigen Führer.
Schulte konnte später sehr genaue Angaben machen. So seien alle nur denkbaren Leuchtsterne zur Kenntlichmachung eines deutschen Flugzeuges an Bord des Bombers gewesen

 

 

Ju-88 Nachtjäger
Ein Nachtjäger vom Typ Junkers Ju-88 wie Ihn Oberleutnant Schmucker flog.

 

Die Halifax war als "Pfadfinder" auf dem Weg nach Berlin. Sie gehörte zur 6. Bombergruppe der Engländer und hatte eine kanadische Besatzung. 726 Bomber der Royal Air Force waren mit 2496 Bomben an Bord gestartet. 72 Maschinen gingen verloren.
Als Pfadfinder war die Maschine mit Bodenerfassungsradar ausgerüstet. Da die Kapsel des Radarschirmes aus Bakelit bestand, blieben sehr viele Teile davon erhalten.

 

 

Handley Page Halifax
Ein britischer Halifax-Bomber wie er am 24.3.1944 am Hessenstein (Landkreis Waldeck-Frankenberg) abstürzte.

 

Im Gegensatz zur Standardausführung hatte die Maschine eine Besatzung von 8 Personen, eine Person mehr als normal. Drei Einschlagstellen der Halifax-Sternmotoren konnten im Laufe der Jahre gefunden werden. 

 

Motoren-Aufschlagstelle
Die beiden Bilder oben und unten, zeigen zwei der drei Aufschlagstellen an denen die Motoren gefunden wurden.
Motoren-Aufschlagstelle

 

Doch es soll noch einTriebwerk im Sumpfgebiet des Breitenbachs stecken.
Von dem Flugzeug ist nicht viel übrig geblieben. Schon während des Krieges wurde das meiste Material zum Bahnhof Ederbringhausen gebracht und eingeschmolzen. 1950 wurde ein Motor ausgegraben und an einen Frankenberger Schrotthändler zum stolzen Preis von 2.000.- DM verkauft. Die Koreakrise wirkte sich auf den Rohstoffmarkt aus, gerade Buntmetall und Aluminium waren knapp.

 

Bristol-Herkules Sternmotor
Ein Bristol-Herkules Sternmotor wie er in der Halifax eingebaut war.

 

Auf dem Altenberg befindet sich ein kleines Denkmal, von Waldarbeitern angelegt.

Ein Flugzeugteil zeigt das Herstellungsjahr 1944. Bei der Suche im Absturzgebiet fanden sich einige Typenschilder, unter anderem das des Funkgerätes. Weiter kam nach langem Suchen ein Feuerlöscher zum Vorschein. Das meiste haben Schrotthändler nach dem Kriege eingesammelt.
Die 6. RAF-Bombergruppe verlor während des Krieges 814 Maschinen. Sie flog 40822 Einsätze. Die nächste Absturzstelle dieser Group befindet sich in Sehlen.
 

 

Rumpf-Aufschlagstelle
Das Bild zeigt die Stelle am Hessenstein wo der Flugzeugrumpf aufschlug.

 

Immer wieder kommen Besatzungsangehörige und deren Nachfahren aus der ganzen Welt nach Deutschland, um Schicksale und Ereignisse zu klären. Luftkriegshistoriker versuchen, alle Spuren und Daten festzuhalten.

 

Abschließend möchten wir uns bei allen bedanken, die uns mit Informationen zum Thema weitergeholfen haben.

 

 

Handley Page Halifax im Modell 

 

Hier werden Sie zukünftig ein paar Bilder von Modellen des Halifax-Bombers sehen.

 

 

 

 

 

 

 

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